Akuter- und Chronischer Schmerz

Regionales Schmerzzentrum DGS-Göppingen


Akuter Schmerz
Das Schmerzsystem ist mit einer Alarmanlage vergleichbar. Es wird durch Schadreize in Geweben 1 aktiviert. Umgeschaltet werden die Impulse im Rückenmark 2. Von dieser Station strömen die Signale zum Gehirn 3. Dort werden sie weiter verarbeitet und gelangen in das Bewusstsein. Der Körper reagiert: Der Blutdruck steigt, Hormone werden ausgeschüttet – Alarmzustand. Das Gehirn schickt aber auch hemmende Signale, um das Alarmsystem wieder zu dämpfen. Es aktiviert das Opiat-System, das so genannte Endorphine produziert.
3 Das Verarbeitungssystem im Gehirn Thalamus
Im so genannten Thalamus gelangen Schmerzimpulse in das Bewusstsein. Sie werden in verschiedenen Regionen verarbeitet. Die emotionale Bewertung erfolgt im limbischen System. Dann springt entweder die Schmerzhemmung an oder der Körper wird in Alarmbereitschaft versetzt.
Querschnitt durch das Rückenmark Nervenzelle Verbindung zwischen
Nervenzellen
Hemmender Impuls
Querschnitt durch das Rückenmark Nervenzelle Verbindung Nervenzellen
2Die Umschaltstation im Rückenmark
ASchmerzimpulse treffen über Nervenbahnen (rot) von den Schmerzfühlern im Rückenmark ein. Dort werden sie auf andere Nervenzellen umgeschaltet und zum Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn reagiert darauf mit der Aktivierung der körpereigenen Schmerzhemmsysteme: Es schickt dämpfende Signale zur „Relaisstation“ im Rückenmark (blaue Bahn). So werden Schmerzimpulse kontrolliert.
BNervenzelle im Rückenmark. An ihren verzweigten Ausläufern (Dendriten) enden die Ausläufer anderer Nervenzellen, die verstärkende oder hemmende Signale übermitteln. Hemmende Impulse vom Gehirn bremsen die Weitergabe der Schmerzreize.
CSignale zwischen zwei Nervenzellen werden chemisch übertragen. Dies geschieht an so genannten Synapsen. Je stärker der Impuls, desto mehr Botenstoffe werden in den dünnen Spalt zwischen Zellen freigesetzt. Die Botenstoffe docken dann an einer Bindungsstelle (Rezeptor) an. Dieser wird angeregt und leitet den Impuls weiter. Die körpereigene Schmerzhemmung sorgt dafür,dass die Produktion dieser Botenstoffe gedrosselt wird.
1Der Schmerzfühler im Gewebe Haut mit Schmerzfühler Schmerzfühler
AIn allen Geweben und Organen des Körpers sitzen Schmerzfühler (Nozizeptoren). Ihre verzweigten Endigungen werden durch Verletzungen, z.B. einen Nadelstich, aber auch durch chemische Reize, Hitze oder Druck aktiviert. Haut mit Schmerzfühler Schmerzfühler
BNozizeptoren senden elektrische
Impulse über lange Leitungsbahnen zum Rückenmark.


Chronischer Schmerz
Wenn Schmerzreize ständig auf das Schmerzsystem einprasseln, weil die Ursache nicht heilt 1, etwa bei chronischen Entzündungen, löst dies im Schmerzsystem komplizierte Veränderungen aus. Das Nervensystem wird auf allen Ebenen, im Rückenmark 2 und im Gehirn 3 empfindlicher, und reagiert selbst bei leichten Reizen. Es entsteht ein „Schmerzgedächtnis“. Die körpereigene Schmerzhemmung, das Opiat-System, ist nicht mehr in der Lage, den Daueralarm im Nervensystem wirkungsvoll zu dämpfen.
Gehirn 3Die überforderte Schmerzhemmung
Ständige Schmerzimpulse können die hemmenden Systeme des Gehirns überfordern, sie quasi „ausbrennen“. Andere Sinneseindrücke und psychische Faktoren beeinflussen ebenfalls die Schmerzverarbeitung im Gehirn.Auch sie können Schmerzen verstärken – und ebenso dämpfen.
Hemmende Impulse geschwächt Verbindung zwischen
Nervenzellen
Nervenzelle Querschnitt durch das Rückenmark
Verbindung Nervenzellen Nervenzelle Querschnitt durch das Rückenmark
2Die Umschaltstation im Rückenmark leitet Schmerzimpulse
ungedämpft weiter
AWenn die körpereigene Schmerzhemmung gestört ist, bleiben die dämpfenden Signale vom Gehirn aus. Auch auf der Ebene des Rückenmarks sind Störungen der Schmerzhemmung möglich. Dann werden die Schmerzimpulse ungebremst umgeschaltet und zum Gehirn weitergeleitet.
BBestimmte Nervenzellen im Rückenmark werden durch starke Schmerzimpulse besonders intensiv aktiviert. Eine ganze Kaskade biochemischer Veränderungen sorgt dafür, dass die Zellen überempfindlich werden. Sie senden dann selbst schwächste Reize als Schmerzsignale weiter.
COhne die schmerzhemmenden Einflüsse wächst die Übertragung chemischer Impulse zwischen den Nervenzellen. Es werden mehr Botenstoffe produziert. Um diese aufzunehmen, reagiert die nachgeschaltete Nervenzelle mit einer größeren Zahl von Bindungsstellen.
Außerdem gibt es Menschen, die aufgrund einer genetischen Veranlagung eine geringer ausgeprägte Schmerzhemmung haben. Auch in diesem Fall ist die Schmerzhemmung schwächer, und der Fluss von Schmerzsignalen im Nervensystem verläuft ungebremst.
Schmerzfühler Haut mit Schmerzfühler 1Der überreizte Schmerzfühler
Schmerzfühler Haut mit Schmerzfühler AWerden Schmerzfühler (Nozizeptoren) mit Signalen bombardiert, werden sie empfindlicher. Auch wenn Nerven selbst geschädigt werden, können sie überaktiv reagieren und senden ständig Schmerzimpulse.
BDer Impuls-Strom zum Rückenmark verstärkt sich.

Quelle: Deutsche Schmerzliga e.V.